Das Leben in einer Plutokratie

Wie die Herrschaft des Geldes unsere Welt korrumpiert hat

​© Gerhard Haderer

Zwischen den Welten

Die amerikanische Mittelschicht liebt das kapitalistische System und ihre Millionäre, da sie mit der Illusion vom amerikanischen Traum aufgewachsen ist. Sie glaubt eines Tages das Leben eines ihrer Idole zu führen – reich, berühmt, gutaussehend - als Schauspieler oder Unternehmer. Dass die Mittelschicht stetig schrumpft, übersehen sie, solange sie Teil der Mittelschicht sind.

Heutzutage ist alles und jeder käuflich. Wir wundern uns bei Entscheidungen von Politikern für wen ihre Politik gemacht ist, bis wir dem Ruf des Geldes folgen. Alles und jeder hat seinen Preis und doch scheint alles wertlos zu sein.

Plutokratie:
Die Herrschaft des Geldes

Die Reichen werden immer ​reicher, die Armen…

Die Ungleichheit nimmt in einer dramatischen Geschwindigkeit zu, wie es nie zuvor in der Geschichte der Fall war. Die Reichsten 1 % unserer Gesellschaft besitzen so viel Vermögen wie die restlichen 99 % auf der Welt. Die acht reichsten Menschen haben mehr als die 50 % ärmsten, d.h. mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Laut Oxfam Schätzungen könnten wir in 25 Jahren den ersten Trillionär sehen.

Empfehlenswert ist der Oxfam Bericht von 2017: An Economy for the 99 %

Doch um Geld zu verdienen, brauchst du Geld. Es verschafft dir die Möglichkeit, die besten Berater zu engagieren, dein Geld gewinnbringend zu investieren, deine Ideen umzusetzen oder die Konkurrenz und den Kleinhandel durch Preisdumping zu zerstören oder aufzukaufen. Die Struktur des Banksystems mit dem Zinseszins tut ihr übriges, um die Ungleichheit zu verstärken.​

Wir sprechen nicht nur von Selfmade-Millionären, die eine einfallsreiche Idee hatten oder für ihr Vermögen gearbeitet haben, sondern auch von wohlhabenden Familien, die ihre Besitztümer von Generation zu Generation weitervererben, ohne einen Tag in ihrem Leben arbeiten zu müssen.

Wir sind in einem Wirtschaftssystem angelangt, das den größten Wert auf die kurzen Gewinne für Anteilseigner legt, statt aufs Wohl des Unternehmens und deren Mitarbeiter. In Großbritannien betrug die Auszahlung der Gewinne an die Shareholder 1970 10 %, heute sind es 70 %.

„Die Börse ist ein Irrenhaus befeuert mit Kokain. Der Irrsinn der Spekulanten kann Menschen in den Hunger und die Armut treiben.“

Statt den Arbeitern faire Löhne zu zahlen und ihnen bessere Arbeitsbedingungen oder gar mehr Urlaub zu ermöglichen, verdienen die Manager selbst bei Misswirtschaft, und die Anteilseigner durch den reinen Besitz, ohne auch nur einen Handschlag getätigt zu haben. Statt Wert auf die Mitarbeiter und die Umwelt zu legen, geht es um die Profite. Unternehmen werden regelrecht ausgeblutet und Arbeitnehmer entlassen, um an der Börse für einen kurzen Moment besser dazustehen.

Der Wahnsinn an den Börsen

Spekulationen auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise trieben nach Schätzungen der Weltbank bei der Nahrungsmittelkrise von 2008 mehr als 100 Millionen Menschen in die Armut, die sich nicht einmal mehr Grundnahrungsmittel leisten konnten.

Die Börse ist ein Irrenhaus befeuert mit Kokain. Der Irrsinn der Spekulanten kann Menschen in den Hunger und die Armut treiben. Es darf nicht sein, dass Menschen am Leid anderer verdienen. Solche skrupellosen Praktiken müssen gestoppt werden. Spekulationen erfüllen keinen gesellschaftlichen Nutzen und tragen zu keiner Wertschöpfung bei. Jede Putzfrau hat eine höhere Wertschöpfung als alle Börsenspekulanten und Investment Banker zusammen.

„Jede Putzfrau hat eine höhere Wertschöpfung als alle Börsenspekulanten zusammen.“

Frage: Warum schauen Politiker nur tatenlos zu oder ändern Regeln, die so viele Schlupflöcher enthalten, dass sie bedeutungslos werden?

Börsen können lediglich als Glücksspiel gesehen werden, das eine weitere Umverteilung des Geldes von unten nach oben bewirkt, und hauptsächlich Profiteure in der Finanzelite hat.

Gespielte Philanthropie

Dass der Markt immer recht hat, ist der erste Fehler dieses Konzepts, gleichzeitig die Legimitation unserers Kapitalismus. Denn nur mit Gerechtigkeit ist es möglich Stabilität und Harmonie, d.h. Frieden zu erschaffen. Ist es berechtigt, dass Manager, Banker, Börsenjongleure, Unternehmer, Anteilseigner, Sportler oder Schauspieler jährlich Millionen erhalten? Mehr als Millionen Menschen in ihrem ganzen Leben durch harte Arbeit verdienen können.

Einige dieser Superreichen mit Milliarden auf dem Konto geben sich durch Millionenspenden, die steuerlich absetzbar sind, als Wohltäter und Philanthropen aus, obwohl sie in ihren Unternehmen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt verhindern könnten.

Es gibt einen Grund, warum sie so reich geworden sind, entweder auf Grundlage von Raubbau, der Ausnutzung von Arbeitern und unserer Umwelt oder dem Diebstahl an vielen Menschen, die ihre Lebensgrundlage oder ihr Geld verloren haben, beispielsweise durch die Börsen.

Unternehmen wie Amazon, Apple oder Starbucks nutzen legal Steueroasen und Steuerschlupflöcher, die ihre Lobbyisten und gekauften Politiker kreiert haben. Dadurch gehen der Allgemeinheit jedes Jahr Milliarden verloren. Alleine in Deutschland sind es 17 Milliarden pro Jahr, die für den Pflegenotstand oder Bildung verwendet werden könnten.

Was machen die Superreichen mit all ihrem Geld? Sie wissen, dass sie es in ihrem Leben nicht ausgeben können. Statt sie zu bewundern, sollten wir ihre Gier als das ansehen, was es ist, eine Geisteskrankheit.

© Gerhard Haderer

„Geld ist eine Illusion. Es ist wie die Zahnfee, die nur existiert, wenn wir an sie glauben.“

Es gibt zu viel Geld hinter dem kein Wert und keine Leistung steht. Die halbe Welt ist verschuldet. Es ist eine virtuelle Zahl, die den Menschen Bedeutung gibt, weil sie ihre Bedeutung im Leben verloren oder erst gar nicht gefunden haben. Die Menschen arbeiten nicht mehr, um zu überleben, sondern um das kapitalistische System, in dem sie leben, aufrechtzuerhalten.

​Fressen in einer hungernden Welt

Während die eine Hälfte dieser Welt überfressen ist, ​ist die andere Hälfte ​mangelernährt. ​Beide Gruppen gehören zu den Ärmsten auf dieser Welt, obwohl sie sich auf zwei "verschiedenen" Seiten des Globus mit zwei völlig unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen auseinander​setzen.

Übergewicht trifft häufiger in den bildungsfernen und ärmeren Schichten auf, da die Industrie sie mit billigen Weißmehlprodukten, Fast Food, fettigem Fleisch und Zucker mästet. Die Politiker scheinen in dieser Entwicklung keine Gefahr zu sehen, obwohl sie durch die Besteuerung von ungesundem Essen, ​ein Verbot bestimmter Werbung, ​ein revolutioniertes Gesundheitssystem mit größeren Vorteilen für Gesunde und ein volksnahes und praktisches Bildungsprogramm diese Entwicklung für die eine Seite der Welt stoppen könnte, und durch eine veränderte Wirtschaftsweise und eine gerechtere Verteilung den Hunger beenden könnte. Diese Maßnahmen würden allerdings zu Gewinneinbußen für die Industrie führen, weshalb sie in eine Plutokratie nicht durchgesetzt werden.

​Folgt in Kürze: Die Prostituierten des ​Konsumwahns

  • 2,2 Milliarden übergewichtig
  • 2 Milliarden mangelernährt
  • 800 Millionen hungern

​​Lösungen:

  • Besteuerung von ungesunden Lebensmitteln
  • ​Boni für gesunden Lebensstil
  • revolutioniertes Bildungssystem
  • Verbot von Werbung
  • soziales Wirtschaftssystem, statt Raubtier Kapitalismus
  • gerechtere Verteilung von Nahrung
  • weniger Konsum
  • ​vorbildliche Unterhaltungsindustrie

Die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner, hält nichts von einer Zuckersteuer, da es auch sozial nicht zu vertreten sei, wenn "sich nur bestimmte Kreise solche Lebensmittel leisten könnten". Für mich klingt es vernünftig, wenn solche Produkte überhaupt keinen Absatz ​fänden, denn Lebensmittel sind es nicht. Es ist auch nicht fair, die erhöhten Gesundheitskosten auf die Gesellschaft abzuwälzen​, die durch ungesunde und falsche Ernährung verursacht werden.

Es sterben jedes Jahr 4 Millionen Menschen an Übergewicht, viele Millionen mehr durch fehlende oder falsche Ernährung. Bis zu ihrem Tod ist es häufig ein langer, schmerzhafter Kampf. ​Durch Terror sterben jährlich weniger als 26 Tausend ​Menschen. Trotzdem führen ​wir nur einen "erbitterten" Krieg gegen ​Terroristen, statt gegen Lebensmittelkonzerne, die die Menschen schleichend vergiften.

​Es ergibt keinen Sinn beim Nahrungsmitteleinkauf mit der Selbstbestimmung und persönlichen Freiheit des Einzelnen zu argumentieren, ​wenn man bedenkt, dass ​es eine Anschnallpflicht, ein Cannabisverbot und Millionen anderer Gesetze gibt, die theoretisch die Freiheit einschränken. Entweder geht es um Menschenleben oder ums Geld. Die Unbeständigkeit in der Gesetzgebung zeigt, dass es ums Geld geht.

4 Millionen Tote durch Übergewicht

26 Tausend Tote durch Terror

​...trotzdem führen wir Krieg gegen Terroristen, statt gegen Lebensmittelkonzerne

Das Fass der Unzufriedenheit füllt sich

​Wir erleben eine steigende Unzufriedenheit und Armut in der Welt. Die Amerikaner haben in ihrer Hoffnungslosigkeit und Wut einen Mann gewählt, der nicht weiter weg von ihrem Leben sein könnte. Einen Mann, der in unermesslichem Reichtum aufgewachsen ist, und der sich trotzdem als einer von ihnen ausgegeben hat, um eine Wahl zu gewinnen. ​Ein Mann, der nun zeigt, dass er doch nur Politik fürs verhasste „Establishment“ macht. Leider war die Gegenseite auch nicht wählbar, da sie ebenfalls nur eine Stimme für die ​Finanzelite war und nicht ans Land, sondern nur an die eigene politische Karriere gedacht hat. Andernfalls hätte sie Bernie Sanders, einen demokratischen Sozialisten, den Vortritt gelassen, der einen stärkeren Eindruck ​hinterlassen hat, tatsächlich etwas am verkommenen System ​verändern zu wollen.

​Für die „Sozialisten“ war ​Bernie nicht extrem genug, weshalb selbst die Linken gespalten waren. Doch Spaltung wird unsere Gesellschaft nie zum Frieden bringen. Deshalb darf man meine Worte nicht falsch verstehen. Wir dürfen in den Reichen nicht unsere Feinde sehen, sondern fehlgeleitete Weggefährten.

Das Problem der gesellschaftlichen Spaltung zeigt sich in Gewalt weltweit. Je mehr Menschen von Armut betroffen sind, desto einfacher sind sie durch Diktatoren und Terrororganisationen zu beeinflussen. Sie haben nichts mehr zu verlieren, wenn sie Überfälle begehen, sich im Drogensumpf verlieren und mit Gewalt zurückschlagen, besonders dann nicht, wenn man ihnen ein besseres Leben verspricht. Deshalb betrifft dieses verkommene Wirtschaftssystem uns alle, selbst wenn wir im Wohlstand leben. Eines Tages schlägt es zurück und wir könnten alles verlieren.

​27%

...sind mangelernährt

​29%

...sind ​übergewichtig

​11%

...​hungern

„Wir dürfen in den Reichen nicht unsere Feinde sehen, sondern fehlgeleitete Weggefährten.“

Das Ende der Plutokratie

Die Plutokraten und Politiker begehen mit ihrem rücksichtslosen Handeln einen großen Fehler. Es ist kurzsichtig zu glauben, dass sich das Volk nicht eines Tages wie bei der Französischen Revolution gegen sie erheben und mit Mistgabeln zurückschlagen wird.

​"Eine blutige Revolution wird niemals die Lösung sein."

Doch es ist noch nicht zu spät. Deshalb muss die Finanzelite schleunigst umdenken und die Ungerechtigkeit verringern, wenn sie an einem friedlichen Leben interessiert ist. Spätestens wenn sie die Mittelschicht ausradiert hat, wird es zu Aufständen kommen. Ich hoffe, dass es nicht allzu blutig enden wird.

Denn die Superreichen werden sich nicht ewig hinter Gitterstäben in ihrer schillernden Seifenblasenwelt verstecken können. Wenn sie glauben, sicher zu sein, müssen sie nur in ihren Garten schauen, zu Hector, der ihre Hecke schneidet, oder auf ihren Teller, denn jemand hat ihr Essen geerntet. Es ​hört sich wie der Beginn einer Zombie-Apokalypse an. Leider könnte es Realität werden.

Ich stehe nicht alleine da mit dieser Behauptung. Einer von „ihnen“, der den amerikanischen Traum lebt, Nick Hanauer, warnt den Rest der Plutokraten.

“If we don’t do something to fix the glaring inequities in this economy, the pitchforks are going to come for us. No society can sustain this kind of rising inequality. In fact, there is no example in human history where wealth accumulated like this and the pitchforks didn’t eventually come out. You show me a highly unequal society, and I will show you a police state. Or an uprising. There are no counterexamples. None. It’s not if, it’s when.”

Wir haben eine Alternative zu Gewalt. Wir können unserem Konsumwahn ein Ende bereiten und den Unternehmen ihre Macht nehmen. Nicht zum billigsten Produkt greifen, sondern zum fairsten und nachhaltigsten, wenn wir es tatsächlich benötigen. Und nicht immer wieder dieselben Politiker und Partein wählen, die ihre Kurzsichtigkeit bereits unter Beweis gestellt haben, sondern die, die für eine friedliche und faire Welt einstehen.

Frage: Warum schauen Politiker nur tatenlos zu, statt eine sozialere Wirtschaft umzusetzen, die der Finanzelite und den Großkonzernen gewaltige Gewinneinbußen bringen würde?

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